Beduinen im heutigen Jordanien

 

Das Königreich Jordanien wurde erst vor wenigen Jahrzehnten aus dem britischen Mandatsgebiet jenseits des Jordans gebildet. Dünn besiedelt und mit wenig Infrastruktur ausgestattet waren die großen Wüstengebiete hauptsächlich von Beduinen bewohnt.

 

Über die beduinische Kultur ist nur wenig bekannt. Schriftliche Quellen existieren so gut wie überhaupt nicht und wenn, dann meistens aus der Perspektive westlicher Orientreisender verfasst. Eine erste Erwähnung ihrer Existenz findet sich in den Schriften des Gelehrten Ibn Khaldun aus dem 14. Jahrhundert.

 

Trotzdem die Rolle der Beduinen bisher so wenig gewürdigt wurde, ist sowohl ihre Existenz als auch ihr Handeln unabdingbar für die muslimisch geprägte Region der Erde. Ohne Zweifel hatten sie nicht nur entscheidenden Einfluss auf die siegreiche Verbreitung der sich im 7. Jahrhundert entwickelnden Religion des Islams, die Grundlagen des Islams sind auch enorm von der beduinischen Kultur geprägt. Die Betrachtung der beduinischen Lebensweise und das Wissen um ihre Traditionen sind meines Erachtens die essentielle Grundlage, um die islamische Religion verstehen zu können.

 

Jedoch nicht nur in historischer Vorzeit, auch in der Neuzeit spielen die Beduinen - für Außenstehende kaum wahrnehmbar - eine entscheidende Rolle. Nahöstliche und nordafrikanische Diktatoren haben sich imme gern auf ihre beduinische Herkunft und die damit verbundene asabiyya, die Stammeszugehörigkeit, berufen und es verstanden, Beduinen für ihre Zwecke zu instrumentalisieren.

 

Wie oben erwähnt, wurde das jordanische Königreich auf Beduinenland errichtet. Daraus erschließt sich das Thema einer Diskussion, welchen Beitrag die beduinische Stammeskultur noch heute zum Fortbestand Jordaniens leistet. Trotzdem die anachronistisch anmutende Beduinenkultur aufgrund der zunehmenden Sesshaftigkeit immer weiter verschwindet, darf ihr historischer und ebenso ihr zeitgenössischer Wert keinesfalls negiert werden.