Brauchen wir Angst?

Angst gibt es seit Menschengedenken: Angst vor dem Unerklärlichen, vor Hunger, Katastrophen und dem Zorn der Götter. Angst ließ Religionen entstehen.

Angst hatten die Menschen in der Antike, Angst nahmen sie mit sich ins Mittelalter: Angst vor dem Fegefeuer, der ewigen Verdammnis im Namen Gottes. Beim Ablasshandel mutierte Angst zum Geschäftsmodell.

Mit Angst begann die Neuzeit: das memento mori des Barock war die Angst vor Tod, Krieg und Verwüstung, am eigenen Leib während des Dreißigjährigen Krieges erfahren.

Angst zog sich fort und fand ihren kulminierten Höhepunkt in zwei aufeinander folgenden verheerenden Weltkriegen - mit neuen Methoden, neuen Waffen und einer neuen Form der Vernichtung.

Der Kalte Krieg lebte von Angst, der ständigen Erwartung eines neuen Atomkrieges. Kurioserweise hat gerade die Angst vor der mutual assured destruction einen Krieg verhindert.

Angst ist immer noch ein Geschäftsmodell: Angst vor Verlust des Wohlstandes, Angst vor Altersarmut, Angst vor ..... Angst, von der Banken und Versicherungen leben.

Nach dem Ende des Kalten Krieges musste eine neue Angst her: die "Angst vor dem Islam?" - Auf der anderen, der terroristischen Seite: "Angst durch den Islam?

Die neue Angst wird vehement verteidigt: mit Argumenten, die bei näherer Betrachtung keiner sinnvollen Diskussion standhalten. Mit beidseitigem Populismus, dem Schüren von Hass, mit neuen Ängsten vor neuen Feinden, mit der Ausbreitung von Angst.

Deutlich wird nur eines: es ist wieder ein Geschäftsmodell der Angst. Angst zum Gewinnen von Macht. Der Held ist der, der verspricht, die Angst zu besiegen. Ohne Konzept, ohne Plan, klar. Aber mit überzeugenden Worten: weil er weiß, dass Menschen bei ihrer Angst zu packen sind.

 

Brauchen wir die Angst? Ist Angst für uns lebensnotwendig?

 

Angst macht vorsichtig. Sie lässt uns wachsam sein. Sie forciert auch, uns zu bilden, Phänomene, die uns Angst machen, verstehen zu wollen.

Angst kann aber auch lähmen. Sie kann uns starr machen. In Angststarre folgen wir dem ersten, der sich als Superheld gibt und unsere Angst zu besiegen verspricht. Der nur ein gewöhnlicher Mensch ist, der es versteht, aus unserer Angst sein persönliches Kapital zu schlagen.

 

Angst ist lebensnotwendig. Zum Überleben.

Angst kann auch lebensbestimmend werden.

Letztendlich ist jeder einzelne dafür verantwortlich, wie er sich für den Umgang mit der Anst entscheidet.